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BISG Newsroom-Artikel: Unternehmensnachfolge frühzeitig planen

Die Frage nach einer Nachfolgelösung beschäftigt viele Software-unternehmer, die in den 90er Jahren ihr Unternehmen gegründet haben.

Demoskopisch kommen die Baby-Boomer ins Rentenalter – in 2021 ca. 1,15 Mio. die das 65 Lebensjahr erreichen in 2025 ca. 1,32 Mio. die 65 Jahre alt werden.

Die wenigsten IT-Unternehmer können eine Nachfolge im Familienkreis umsetzen, die meisten stehen vor der Frage das Unternehmen zu veräußern, ggfls. an Mitarbeiter zu verkaufen oder an einen Manager der perspektivisch das Unternehmen übernehmen soll. Eine weitere Alternative ist die Etablierung eines angestellten Geschäftsführers oder aber auch an Kunden des Softwareunternehmens. Deshalb wird dieses kritische „Thema“ meist von den Inhabern gemieden, bis Sie von den Kunden oder den Mitarbeitern darauf angesprochen werden, ob sie schon einen Nachfolger haben.

Aber diese Varianten einer Nachfolgelösung stehen nicht allen IT-Unternehmern offen – warum?

Die Sicht potentieller Käufer ist sehr Risiko betont – deshalb checken diese viele Faktoren wie z.B.:

  • Wie sieht der Markt aus in dem sich das IT-Unternehmen bewegt und wie wird er sich in Zukunft entwickeln?

  • Wie hoch ist der Umsatz des Unternehmens? Seit Jahren stagnieren?

  • Welche Marktstellung hat das Unternehmen mit seinen Produkten?

  • Welche Betriebsergebnisse konnte das Unternehmen erwirtschaften?

  • Wie entwickelt sich das Kundenwachstum?

  • Gibt es Abhängigkeiten von einzelnen wenigen Kunden?

  • Gibt es Referenzkunden?

  • Wie steht es um das Alter der Kunden?

  • Welchen Anteil an den Umsätzen werden mit Wartungserlösen erzielt?

  • Wie hoch sind die Wartungsgebühren p.a. in % vom Lizenzpreis?

  • Wie ist die Softwareentwicklung aufgestellt bezüglich agiler Softwareentwicklung, Abhängigkeiten von einzelnen Personen oder proprietären Entwicklungstools?

  • Wie ist das Durchschnittsalter der Mitarbeiter im Unternehmen?

  • Wie ist der Vertrieb aufgestellt – gibt es einen bewerteten Forecast der nachvollziehbar auch die Ergebnisse liefert?

  • Gibt es ein Ticketsystem und werden hieraus auch Kennzahlen für die zukünftige Entwicklung genutzt.

  • Gibt es ein „on-boarding-System“ für neue Mitarbeiter – ist das Unternehmen in der Lage genügend Mitarbeiter zu gewinnen oder nicht?

  • Wie werden die Mitarbeiter geführt – hierarchisch oder eher in einer Matrixorganisation mit Abgabe von Verantwortung an die Teams und vieles mehr…

Umso mehr der Umsatz der IT-Unternehmen unter ca. 2,5 Mio. € liegt, umso schlechter fällt i.d.R. die Bewertung von möglichen potentiellen Käufern aus. Dies bedeutet auch, dass der Verkaufspreis weitaus geringer ausfällt, als bei IT-Unternehmen die stetiges Wachstum nachweisen können.

IT-Unternehmen unter 2,5 Mio. € Umsatz

In dieser Umsatzklasse gibt es sehr viele kleine Anbieter, die seit Jahren nicht mehr wachsen und deren Kunden oft auch in einem ähnlichen Alter, wie des Eigentümers des IT-Unternehmens sind. Für einen Käufer sind das keine attraktiven Perspektiven – sie erkennen hier schnell die hohen Risiken die sie eingehen.

Auf die in die Jahre gekommenen IT-Unternehmer kommt damit eine große Herausforderung zu – sie müssen noch einmal „richtig Gas“ geben, oder sich mit niedrigen Verkaufspreisen zufrieden geben. Hoffentlich ist die „Rentenkasse“ dann schon richtig „gefüllt“.

Nachfolgelösungen für kleine IT-Unternehmen dauern meist länger als bei größeren Unternehmen. Oft fehlt kleinen mittelständischen IT-Unternehmern ein Gefühl, wie sie von außen gesehen werden, welche kritischen Punkte einfach zu lösen wären, ohne große Risiken einzugehen, die aber aus welchen Gründen auch immer, nicht angegangen wurden. Beispiele hier:

  • zu niedrige Preise

  • Kundenabhängigkeit

  • keine etablierten Prozesse im Unternehmen

  • Abhängigkeit vom Unternehmer

IT-Unternehmen über 2,5 Mio. € Umsatz

Die oben gestellten Fragen treffen auf die größeren Unternehmen ebenfalls zu. Ein entscheidender Faktor ist der, wie lange diese Unternehmen in der Umsatz-Größenklasse verbleiben und ob es ihnen gelingt jährliche Zuwachsraten zu erzielen. Im Falle einer Stagnation werden sie nicht weniger kritisch als die kleineren IT-Unternehmen gesehen. Nachfolgelösungen sind für diese Größenklasse leichter zu generieren, soweit das Unternehmen nicht stagniert.

IT-Unternehmen über 5 Mio. € Umsatz

IT-Unternehmen in dieser Größenklasse fallen in das „Beuteschema“ der großen Anbieter, aber auch zunehmend in das von strategischen Investoren und Beteiligungsgesellschaften. Voraussetzung ist eine besondere Marktstellung und das Vorhandensein von Alleinstellungs-merkmalen und die Nutzung neuester Technologien. Nachfolgelösungen in dieser Größenklasse sind einfacher umzusetzen, da z.Zt. ein Käufermarkt besteht.

Wie können mittelständische IT-Unternehmen feststellen, welchen Aufwand eine Nachfolgelösung erfordert?

Ein Unternehmenscheck in der das Unternehmen systematisch von außen betrachtet wird, ermöglicht einen weitgehend neutrale Sicht und damit auch neue Einsichten. Daraus ergibt sich ein „Fahrplan“ wie man gezielt den Unternehmenswert steigern kann.

Dieser Beitrag wurde von Andreas Barthel, Fachbereich IT-Unternehemensbewertung verfasst.