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BISG Newsroom-Artikel: Es wird schon nicht so schlimm - oder doch?

Es wird schon nicht so schlimm. 

Ganz am Rande nehmen wir die Nachrichten aus Wuhan war. Was ist da bloß schon wieder los? Ach, egal. Ist ja weit weg. Wir gehen unserer Beschäftigung nach. Mandantentermine, Datenschutzthemen, Recherche und Beratung.

Business as usual.

Es ist doch nicht schlimm, oder?

Erste Fälle in Europa und die Gedanken beginnen zu kreisen. Mein Kollege denkt schon weiter. Er bringt Händedesinfektion mit und regt an, auf das Händeschütteln zu verzichten. Ohne ein tatsächliches Erfordernis zu sehen, stimme ich zu. Wir gehen unserer gewohnten Arbeit nach. Es ist alles, wie immer. Wirklich? Corona. Dieses Wort ist plötzlich in aller Munde. Auf einmal erhalte ich Anrufe von Mandanten. Sie bereiten sich darauf vor, Teile der Belegschaft ins Home-Office zu schicken und fragen, was denn datenschutzrechtlich zu beachten sei.

Boom!

Nun ist das Thema voll eingeschlagen und die Gedanken beginnen zu kreisen, dienstlich und natürlich auch privat. Während wir für unsere Mandanten eine Home-Office Richtlinie erstellen, die auch den aktuellen Gegebenheiten gerecht wird, folgt die Nachricht aus der Schule: Liebe Eltern, die Osterferien, die ja eh schon drei Wochen lang sind, werden um 2 Wochen nach vorn verlängert.

Wie soll das gehen?

Hoffentlich wird es nicht doch schlimm.

Mitte März. Mein Chef stellt sich vor die Belegschaft und verkündet, wir werden mit sofortiger Wirkung ins Home-Office umsiedeln.

Home-Office. Dieses magische Wort stand bisher für einen Tag, fernab vom Trubel des Büros. Für kurze Wege und unterbrechungsfreies, konzentriertes Arbeiten. Nun auf einmal dauerhaft. Was wird das bloß werden. Auch die Schule wurde geschlossen und die Betreuungsangebote sind eingestellt. Meine Frau arbeitet „systemrelevant“, Papa im Home-Office und Kind in „Coronaferien“. Es wird also noch nicht überall richtig ernst genommen. Nun haben wir natürlich den Vorteil, dass wir schon lange „in der Cloud“ arbeiten und somit schon immer die Möglichkeit hatten, an verschiedenen Orten zu arbeiten. Technisch gesehen also keine Herausforderung. Nur die Umsetzung wird spannend.

Ich packe meinen Arbeitsrechner ein, sammle die Unterlagen und Gesetze zusammen und verfrachte alles in Auto. Wir verabschieden uns voneinander und wissen noch nicht, wann wir uns das nächste Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen werden.

Zu Hause angekommen, die Arbeitsmittel im zukünftigen Arbeitszimmer gestapelt, stellt sich die nächste Frage: Wo soll das bloß alles hin? Ich war ja auf nichts vorbereitet und es ist einiges zu beachten.

Allen voran der Hintergrund. Nun sitze ich ja nicht einfach am Rechner und arbeite gemütlich vor mich hin. Es werden Videokonferenzen folgen. In denen sieht der Gegenüber ja, wie es hinter mir ausschaut. Erste Amtshandlung lautet also: Umräumen. Schreibtisch umstellen, so dass sich hinter mir eine freie Wand befindet. Videobild testen. Was kann denn der Gegenüber so erkennen. Kamera neu ausrichten. Schön, so ist es gut. Der erste Videocall kann kommen. Mittlerweile kann ich virtuelle Hintergründe einfügen. Gute Sache, ist mir aber noch zu unnatürlich.

Da bleibe ich vorerst lieber bei meiner Wand, die ich jetzt sogar mit etwas „dezenter“ Unternehmenswerbung verziert habe. Nächster Morgen, erster Tag im Homeoffice. Wir machen einen Frühcall, damit sich am Tagesanfang alle einmal sehen können. Kameras sind alle an. Das ist nicht selbstverständlich, wie ich höre. Alle Kollegen im Arbeitshemd. Sehr vorbildlich. Wir besprechen den Tag und starten in die Arbeit. Alles noch sehr ungewohnt.

Zwischenzeitlich erreichen uns Bilder aus Italien, Spanien, Frankreich und den USA und diese verheißen nichts Gutes. Auch werden nun sämtliche vor-Ort-Termine bei den Mandanten abgesagt. Einige schwenken auf Telefon- oder Videokonferenzen um. Mochte ich nie!

Ich spreche von Grund auf lieber Angesicht zu Angesicht. Telefongespräche sind mir suspekt. Aber wat mut, dat mut. Wir gewöhnen uns dran. Neue Arbeitsumgebung, neue Arbeitsweise und neue Arbeitsmittel. Es läuft erstaunlich gut und mittlerweile haben wir die Technik im Griff und entdecken immer neue Möglichkeiten.

Es war doch nicht so schlimm.

Alles hat sich eingespielt. Videokonferenzen und Telkos laufen routiniert. Ein paar Mandanten sehen dies sogar schon als Dauerlösung. Es haben sich Tagesroutinen herausgebildet, über die man auch nach der Covid19-Phase nachdenken kann. So hat sich unser Frühcall etabliert und wird wohl auch beibehalten. Die anfängliche Beklemmung bei den Videocalls ist komplett gewichen und sie sind zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Im Laufe der Wochen hat sich mein Arbeitsplatz auch immer weiter in ein Büro gewandelt und ich kann mir durchaus vorstellen, in Zukunft häufiger mal im Home-Office (oder aus dem?) zu arbeiten. Glücklicherweise gab es bei uns in der Umgebung wenige Fälle und der Familienkreis ist bisher ganz verschont geblieben. War es also doch nur Panikmache und die Maßnahmen übertrieben?

Mit einem Blick in andere Länder denke ich: Nein! Ich für meinen Teil empfand die Maßnahmen als verhältnismäßig und relativ gut organisiert. Wahrscheinlich würde ich jedoch anders sprechen, wenn mich mein Kind mehr gestresst hätte, oder ich durch meinen Arbeitgeber nicht die Möglichkeit erhalten hätte im Home-Office zu arbeiten. Hierfür bin ich besonders dankbar. Das sind für mich diese „non financial benefits“ von denen immer gesprochen wird. Ich konnte tatsächlich relativ ungestört meiner Arbeit nachgehen. Mit jeder fortschreitenden Woche merkte ich aber, wie meinem Kind die sozialen Kontakte mehr und mehr fehlten.

Schön, dass die Schule nun wieder los geht.

Alles wird gut!

In der Krise eine Chance sehen, heißt es ja so schön. Dies wird sich wieder bewahrheiten. Ich sehe einige positive Tendenzen.

Allen voran Flexibilisierung durch Telearbeit und eine höhere Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter. Eine ansteigende Digitalisierung der öffentlichen Stellen und eine (zugegeben gezwungenermaßen) modernere Kommunikation von kleinen und mittelständischen Unternehmen, beispielsweise in der Gastronomie. Und auch wir haben uns weiterentwickelt und konnten diese Phase nutzen und Webinare erstellen, mit denen wir anderen Datenschutzbeauftragten den Weg zur erfolgreichen Rezertifizierung bei der DEKRA ebnen möchten.

Letztendlich hat diese Phase uns allen aber eins verdeutlicht. Und zwar, wie wichtig die Familie und wie wichtig soziale Kontakte sind.

Bleiben Sie gesund.

Das Resümee seiner Gedanken überließ uns Thomas Riegel-Mottlau, Mitglied der Crew "Datenschutz" von Konzept 17 GmbH (BISG-Mitgliederprofil)